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KANINCHEN

Geschichte | Haltung | Ernährung | Pflege | Gesundheit


Eines gleich vorweg: Kaninchen gehören nicht zu der Familie der Nagetiere, wie sehr oft angenommen wird. Zoologisch korrekt gehören sie zu den Hasentieren (Lagomorpha). Das wichtigste Merkmal, das die Hasentierevon den Nagetieren unterscheidet, ist ein kleines Zahnpaar (die sog. Stiftzähne), das dicht hinter den großen Nagezähnen sitzt. Die echten Nagetiere besitzen dieses Zahnpaar nicht! Nach heutiger Ansicht sind die Hasentiere nicht einmal weitläufig mit den Nagetieren verwandt, haben also keine gemeinsamen Vorfahren.

Die Hasentiere werden in zwei Familien unterteilt:
Zum einen gibt es die Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae) mit 15 Arten kleiner Hasentiere, die Hamstern oder Meerschweinchen sehr ähnlich sehen und sich untereinander durch Pfeifen verständigen. Die Pfeifhasen leben in den Gebirgen Asiens und Nordamerikas.
Die zweite und weitaus größere Familie sind die Hasenartigen (Leporidae) mit rund 45 Arten. Zu den Leporidae zählen alle Arten, die wir als Hasen und Kaninchen bezeichnen.

Bei den Haustieren ist immer wieder von "Stallhasen" oder Zwerghasen" die Rede. Diese Bezeichnung ist zoologisch aber nicht korrekt, da alle Rassen der Hauskaninchen vom Wildkaninchen abstammen. Es gibt Unterschiede in Größe und Körperbau (Ohren und Beine des Kaninchens sind wesentlich kürzer als die eines Hasen), Tragezeit (Hase: 42 - 43 Tage, Kaninchen: 28 - 31 Tage), Wurfgrösse (Hase: 2 - 3 Junge, Kaninchen: bis zu ca. 10 Junge), Lauftempo etc.

HALTUNG

Kaninchen brauchen Auslauf - bitte keine Käfighaltung!!

Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere. Sie brauchen daher möglichst viel Platz zum hoppeln, springen und Haken schlagen. Ein handelsüblicher Käfig eignet sich dazu in keinster Weise! Man geht von einem Richtwert von 2 m² pro Tier - also mindestens 4 m² bei einem Pärchen - aus. Für jedes weitere Kaninchen sind je 2 m² hinzuzurechnen. Geeignete Gehege können von einem halbwegs geschickten Heimwerker relativ leicht selbst gebaut werden, und das noch dazu günstiger als ein Käfig kosten würde.

Kaninchen brauchen mindestens einen Partner - bitte keine Einzelhaltung!!

Kaninchen sind sehr soziale und gesellige Tiere und brauchen unbedingt die Gesellschaft von mindestens einem Artgenossen. Am besten eignet sich ein Partner des anderen Geschlechts, wobei der Rammler kastriert sein sollte, wenn man nicht züchten möchte. Zwei Tiere aus dem selben Wurf vertragen sich meist ausgezeichnet, da sie einander ja schon von Geburt an kennen. Das ist allerdings auch keine Garantie für Harmonie. Auch Kaninchen haben ganz unterschiedliche Charaktere.

Zwei fremde Kaninchen reagieren manchmal aggressiv aufeinander und attackieren sich dabei mitunter sehr heftig. Bei der Zusammenführung zweier fremder Kaninchen sollte daher einiges beachtet werden... mehr>>

Kaninchen haben einen guten Geruchssinn

Beim Kaninchen ist der Geruchssinn besonders gut ausgeprägt. So lernen Zwergkaninchen, die als Heimtiere gehalten werden, sehr schnell, "ihre" Menschen an deren persönlichem "Duft" zu unterscheiden. Der Geruchssinn ist bei allen Kaninchen bereits bei den Neugeborenen schon voll ausgebildet, damit sie problemlos die Zitzen ihrer Mutter finden. Auch erkennen und unterscheiden die Kleintiere mit der Nase ihre Artgenossen. Kaninchen haben eine bewegliche Nasenfalte, die sie beim Wittern rhythmisch hochziehen. Man bezeichnet dies als "Nasen-blinzeln". Ihre Nasenschleimhaut ist außerdem sehr empfindlich.

Tipps und Tricks zur Zusammenführung von Kaninchen

Das erste Zusammentreffen von zwei oder mehr Kaninchen sollte sorgfältig vorbereitet werden.

1.) Ein eingesessenes Kaninchen wird höchstwahrscheinlich sein Revier verteidigen. Die Zusammenführung muss daher an einem neutralen Platz erfolgen, also ein Platz, an dem beide Kaninchen noch nie waren, der nicht nach ihnen riecht, den sie nicht kennen. Das Badezimmer eignet sich hier beispielsweise hervorragend.
2.) Alle Gegenstände und Möbelstücke, an denen die Tiere sich verletzen könnten, entfernen.
2.) Eine oder zwei Klokisten, Heu und Wasser sollten vorhanden sein sowie mindestens zwei Häuschen als Versteckmöglichkeiten, am besten mit je zwei Ausgängen. Hierfür kann man z.B. zwei große Schachteln nehmen und diese entsprechend zuschneiden.
3.) Ist alles vorbereitet, setzt Du die Kaninchen möglichst gleichzeitig in das neue Gehege oder in den Raum.
4.) Lass die Tiere nun alleine, nimm Dir ein gutes Buch zur Hand oder setze Dich vor den Fernseher und hab Geduld!
Natürlich kannst und sollst Du auch ab und zu nachsehen, wie das Kennenlernen läuft, Du kannst und sollst die Tiere auch füttern. Aber bleibe nicht die ganze Zeit dabei, Du irritierst Deine Tiere nur, und sie zeigen dann wahrscheinlich nicht ihr "normales" Verhalten.

Die Kaninchen müssen einander nun kennenlernen, sie erkunden die neue, unbekannte Gegend, und sie müssen sich untereinander jetzt die Rangordnung ausmachen. Es wird vielleicht zu Jagereien kommen, die eventuell auch heftiger ausfallen.
Es könnten Fellbüschel fliegen, das ist alles ganz normal. Trenne die Tiere jetzt nicht!!
Erst wenn es wirklich zu ernsthaften Verletzungen kommen sollte, d.h. wenn Blut fließt, ist es sinnvoll, die Tiere zu trennen.

Eine Vergesellschaftung kann ein paar Minuten, Tage oder gar Wochen dauern, das ist ganz unterschiedlich. Allerdings erkennst Du relativ bald, ob zwei Tiere sich verstehen oder nicht. Mache jedoch nicht den Fehler, die Tiere zu früh in das Revier des eingesessenen Kaninchen zu setzen! Warte lieber einen Tag und eine Nacht, bevor Du sie in ihr neues - für eines der Tiere vielleicht altes - Gehege oder Zimmer setzt. Hab Geduld und überstürze nichts!

 

ERNÄHRUNG

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser. Das Futter unserer Hauskaninchen sollte hauptsächlich aus Heu und Frischfutter bestehen, wie z. B. Karotten, Eisberg- oder Endiviensalat, (hier aber auf die Verdauung aufpassen - nicht nass füttern!), Gurken, (Stangen-)sellerie, Äpfel, Petersilie, frisch gezupfter Löwenzahn, Kräuter usw...

Normale Haus-Kaninchen, brauchen in der Regel kein Trockenfutter. Wenn genügend Heu, Gras, Kräuter und Frischfutter gereicht werden, reicht das völlig aus, um den Nährstoffbedarf zu decken. Vitamine "produziert" das Kaninchen selbst. Sie entstehen erst im Blinddarm und werden durch den Kot wieder aufgenommen. Wundere Dich also nicht, wenn Dein Tier seinen eigenen Kot frisst! Das ist völlig normal und sogar lebensnotwendig für Kaninchen!

Das gängige, im Handel erhältliche Körnerfutter enthält meist zu viel Fett, Stärke und oft sogar Zucker, vor allem aber enthält es Getreide, was für Kaninchen sogar schädlich ist! Die handelsüblichen Futtermischungen führen zu Fettleibigkeit und zu Magen/Darm-Problemen und können die Lebenserwartung der Kaninchen drastisch reduzieren! Daher ist davon dringend abzuraten, auch wenn es den Tieren noch so schmeckt...

Bitte keine blähenden Gemüsesorten füttern, wie z. B. manche Kohlsorten. Blähungen sind sehr gefährlich, das Tier könnte daran sterben!

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Heu, Heu und nochmals Heu!

Ganz wichtig ist, dass dem Kaninchen täglich frisches Heu zur Verfügung steht (am besten in einer Heuraufe, so wird es nicht beschmutzt). Heu ist nicht nur Nahrung, sondern dient auch einfach zur Beschäftigung (Mümmeln) und dem Zahnabrieb.

Frisches Wasser sollte ebenfalls immer angeboten werden, am besten in einer Schüssel. Eine Trinkflasche ist widernatürlich und die Tiere müssen beim Trinken eine unnatürliche Haltung einnehmen. Außerdem gab es bereits Fälle, wo Kaninchen sich die Zähne an dem Metallnippel der Trinkflasche verletzt haben. Wasserwechsel 2 x täglich sollte selbstverständlich sein.

Zahnabrieb

Für den Zahnabrieb ist in erster Linie das Heu zuständig. Damit die Zähne natürlich abgewetzt werden, reicht man dem Kaninchen am besten zusätzlich Zweige und Ästchen von Obstbäumen (ungespritzt!) zum knabbern. Auch Haselnusszweige werden oft gerne angenommen.

Hartes Brot ist für Kaninchen völlig ungeeignet! Es wird nur im Maul zermalmt, quillt im Magen auf (Backtriebmittel und Getreide!), was neben Verdauungsstörungen auch dazu führt, dass die Tiere eher satt sind und dann zu wenig Heu fressen. Das wiederum verhindert den natürlichen Zahnabrieb, es entstehen Zahnspitzen, das Tier hat Schmerzen und hört zu fressen auf. Das kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden!

Kaninchen müssen ständig fressen, um die Verdauung in Schwung zu halten! Hört es für nur einen Tag zu fressen auf - sofort zum Tierarzt!

Eine sehr ausführliche Information zur Fütterung finden Sie >> hier.

PFLEGE

Kaninchen sind sehr saubere Tiere. Putzen gehört zum täglichen Ritual, ähnlich wie bei Katzen. Daher ist es eigentlich nicht nötig, ein Kaninchen zu baden. Im Gegenteil: das kann sogar für das Tier gefährlich sein, wenn es nach dem Bad nicht sofort trockengerubbelt und -gefönt und vor allem warm gehalten wird! Durch Zugluft kann es sich leicht verkühlen und als Folge der Verkühlung sterben.

Je nach Rasse bzw. Beschaffenheit des Fells und Haarlänge genügt es, das Kaninchenfell ein- bis mehrmals pro Woche zu bürsten oder zu kämmen.

Bei der Gelegenheit kannst du gleich sein Fell untersuchen. Kahle Stellen z. B. könnten auf eine Pilzinfektion hinweisen oder auf eine Bisswunde, die auch versorgt werden sollte... Auf jeden Fall sofort ab zum Tierarzt!

Das Fell sollte weich und glänzend sein. Mattes, stumpfes Haarkleid deutet auf eine Mangelerscheinung hin.

Die Krallen sollten regelmäßig auf Länge und Schäden kontrolliert und gegebenfalls gekürzt werden. Hierzu ist eine spezielle Krallenzange zu empfehlen, erhältlich im Fachhandel.

GESUNDHEIT

sehr viele Informationen zum Thema Gesundheit bei Kaninchen finden Sie hier>>